Abenteuer zu Ende?

10Sept2015

Jetzt bin ich wieder hier. Zurück.

Komme langsam wieder an. Genieße die Zeit mit meinen Liebsten.

Ist mein Abenteuer jetzt zu Ende?

Ich blicke zurück. Ich habe geweint, gelacht, neue Freunde gefunden, gekämpft, ausprobiert, erlebt, hinterfragt, mich beeindrucken lassen und gelernt. So viel gelernt.

Jetzt bin ich seit 1 1/2 Monaten zurück, konnte ein bisschen nachdenken, mich erinnern und verarbeiten. Aber da ist noch so viel, was ich nicht verstehe, unverarbeitet irgendwo in meinem Bauch. Manchmal schwer und manchmal beflügelnd.

Nein, das Abenteuer ist noch nicht zu Ende. Es begleitet mich weiter. Ich sehe die Welt anders, habe eine festere Meinung zu einigen Dingen, andere verwirren mich. Das Abenteuer ist manchmal wie eine kleine Stimme, die mich erinnert, was ich gelernt habe, worauf ich achten will. Manchmal ist es wie ein Gewitter, bricht über mich herein, überschwemmt alles und lässt ein dumpfes Gefühl zurück. Und es ist wie strahlender Sonnenschein, duftende Blumen, ein Lachen und ein Stück Schokolade. Macht mich glücklich, bereichert mich, erfüllt mich mit Erinnerungen und Erfahrungen.

Nein, das Abenteuer ist noch nicht zu Ende. Es verändert sich. Jetzt heißt es Studium. Aufregung, Vorfreude und Respekt vor diesem Schritt mischen sich in mir.

Ich bin doch gerade erst wieder zuhause, jetzt schon wieder weg?

Aber ich bin neugierig. Will mehr Erfahrungen sammeln, fliegen, auf die Nase fallen, aufstehen, weitermachen, aufbauen, wieder umschmeißen. Ein neues Abenteuer. Diesmal nicht ganz so weit weg. Wenn ich es alleine nicht schaffe, Kraft, Hoffnung und Mut brauche ist Zuhause diesmal nicht weit weg.

Das ist der letzte Eintrag in diesem Blog. Danke fürs Lesen und eure lieben Worte während meines kleinen Abenteuers.

Liebste Grüße,

Anna-Lena <3

 

 

 

Ganz viel gleichzeitig

24Juli2015

Wie geht es mir? Was denke und fühle ich gerade?

Erhlich gesagt, so richtig weiß ich das auch nicht. Alles vermischt, Herz und Kopf verwirrt, Augen wissen oft nicht ob sie lachen oder weinen sollen.

Ich genieße jede Sekunde, versuche alles aufzunehmen und in meinem Herzen festzuhalten. Trotzdem so richtig realisiert, dass es jetzt wieder nach Hause geht hab ich noch nicht. Das ich all diesen wunderbaren Menschen tschüss sagen muss. Und das ich noch nicht weiß, wann ich wiederkommen kann.

Manchmal will ich weinen, alles raus lassen und in diesen Momenten verstehe ich ein bisschen, was gerade passiert. Manchmal bin ich glücklich und dankbar, diese wunderbaren Erfahrungen machen zu können und so viele tolle Menschen kennengelernt zu haben. Dann überspielt dieses Gefühl das Meiste.

Gleichzeitig freue ich mich jeden Tag mehr auf Zuhause. Endlich all meine liebsten Lieblingsmenschen in den Arm nehmen. Erfahrungen austauschen, erzählen, zusammen lachen und weinen, füreinander da sein. Zuhause <3

 

Alles in allem ein komischer Zustand. So richtig beschreiben kann ich meine Gedanken und Gefühle im Moment nicht. Irgendwie ganz viel gleichzeitig.

 

Liebste Grüße,

eure Anna-Lena <3

 

Bunter Alltag

30Juni2015

Wenn ich jetzt schonmal dabei bin schreibe ich gleich noch etwas über meinen Alltag.

 

6:00 Uhr: Mein Wecker klingelt

Schnell schalte ich ihn aus, nur noch 5 Minuten...

6:30 Uhr: Mist jetzt muss ich wirklich aufstehen

Ab unter die Dusche, dann schnell etwas frühstücken und ab zur Arbeit.

 

Morgens kommen ca. 20 bis 25 Kinder zu Hausaufgabenhilfe. Da es im Moment ziemlich kalt ist morgens und abends kommen die Kinder so ca. ab 9 Uhr.

Und los gehts. An Tisch eins muss jemand Wörter aus der Zeitung ausschneiden. Im nu ist der ganze Tisch mit Zeitungen überhäuft. Alle Kinder an Tisch eins verbringen ab jetzt die Zeit mit Bleistift, Heft oder Radiergummisuche unter den Zeitungsbergen, außer natürlich dem Kind das aus der Zeitung ausschneiden muss, dass sucht die bereits ausgeschnittenen Wörter im selbst verursachten Chaos.

Tisch zwei findet es viiiel interessanter mit Murmeln oder Karten heimlich unter dem Tisch zu spielen, als Hausaufgaben zu machen. Irgendwie verständlich und eigentlich will ich ja gar nicht sagen..Aber irgendwie gehen Hausaufgaben doch vor.

An Tisch drei rufen mehrere Kinder weil sie Hilfe brauchen, oder geärgert werden, meistens beides. Ich setzte mich dazu, zwischen die Streithähne. Hier und da ein paar kleinere oder auch größere Denkanstöße und die Hausaufgaben können bewältigt werden.

Alle an Tisch vier behaupten Felsenfest sie hätten keine Hausaufgaben. Ja na klar :-D Irgendwann überlegen sie sich, dass es vielleicht doch besser ist Hausaufgaben zu machen.

Zwischendurch gibt es noch eine Pause und um 12 Uhr stürmen alle Kinder zum Mittagessen.

 

1:00 Uhr: Turno tarde beginnt

Wir haben mittlerweile auch gegessen und die Kinder, die nachmittags zur Hausaufgabenbetreuung kommen trudeln langsam ein.

Der Ablauf ist fast der gleiche wie morgens außer, dass nachmittags meist mehr Kinder kommen und diese nur wenig Lust haben Hausaufgaben zu machen, nachdem sie schon den ganzen morgen in der Schule gesessen haben. Also ist das ganze noch ein bisschen troubeliger und chaotischer als morgens.

17:00 Uhr: Ich bin platt.

Jetzt habe ich Schluss und mache mich zusammen mit einer Arbeitskollegin auf dem Heimweg oder auf den Weg um noch etwas mit Freunden zu unternehmen.

Meistens gehe ich noch mit Freunden Eis essen, Kaffee Trinken, Abend essen, ins Kino, wir kochen etwas oder habe Tanzproben. Manchmal bin ich aber so kaputt, dass ich einfach nach Hause fahre, mir auf dem Weg noch ein Stück Ananas auf die Hand kaufe und dann den ganzen Abend lang nix mache und irgendwann schlafen gehe.

Das ist ein normaler Wochentagsablauf bei mir. :-)

 

Liebste Grüße und eine dicke Umarmung,

eure Anna-Lena <3

Zeit kann fliegen, wirklich.

30Juni2015

Ich melde mich mal wieder :-)

 

Jetzt ist es nur noch einen Monat...4 Wochen...ein zwölftel des Ganzen.

Komisch, vor kurzem war es doch noch ein halbes Jahr und überhaupt, eigentlich bin ich doch gerade erst angekommen.

Gleichzeitig spüre ich, wie ich geliebte Menschen von zuhause vermisse...immer stärker, wie Durst der mit der Zeit immer stärker wird, weil man ihn nicht löschen kann.

Manchmal sprudel ich über vor Freude wieder nach Hause zu kommen, meine Liebsten in den Arm zu nehmen. Es wird Zeit, irgendwie fliegt alles vorbei.

Jasper hat jetzt sein Abi und ganz bald seinen Abiball und ich bin hier, weit weg...

Es wird Zeit wieder nach hause zu kommen.

Gleichzeitig tut es weh daran zu denken all diesen wundervollen Menschen, die ich hier kennengelernt habe 'tschüss' zu sagen...wann werde ich sie wiedersehen? Wie geht es weiter? Was wird sich verändern?

Irgendwie werde ich diese Menschen hier zurücklassen. Einfach so.

Oder nicht? Sie haben mir ihre Geschichten geschenkt, Erfahrungen mit mir geteilt, mich gelehrt, mein Herz berührt. Vielleicht konnte ich auch ihr Herz berühren. Und so ist der Abschied vielleicht leichter.

Ich kann Erinnerungen, Dankbarkeit, Glücksmomente, Weisheiten und so vieles mehr mitnehmen.

Das macht es etwas leichter, trotzdem nicht einfach.

Aber das wusste ich doch alles vorher...oder nicht? Ich konnte mir vorstellen, dass es schwierig wird, zu gehen ohne zu wissen wann ich wiederkommen kann. Ich glaube ich verstehe es nichtmal jetzt so richtig, vielleicht erst beim Abschied, vielleicht erst wenn ich wieder zu hause bin.

Zeit kann fliegen. Jetzt ist mein Jahr in Bolivien fast um. So schnell, manchmal erschien es unendlich langsam, aber irgendwie ist die Zeit geflogen.Und obwohl sie geflogen ist, ist so viel passiert. Ich kann das alles gar nicht richtig in Worte fassen.

Ich bin voller Emotionen, Gedanken und Gefühle, dass ich fast platze. Vielleicht finde ich Worte dafür, wenn ich das alles besser verarbeitet habe. Verstanden habe.

 

Liebste Grüße,

eure Anna-Lena <3

 

Reise ins Nirgendwo

05Mai2015

Hallo :-)

Diesmal ist der Blogeintrag ein bisschen anders, weil ich das nicht in Worten ausdrücken kann :-)

 

Salzwüste, Salar de Uyuni

Schokoherz und Salzwüste

Schokoherz und Salzwüste

Ja, das ist wirklich salziges Salz                  Kakteeninsel im Salar

Blick aus dem Tourjeep

Felsformationen

Das sind die Tourjeeps

Da hat einfach jemand Steinkunstwerke im Nirgendwo gebaut

Rote Lagune, Laguna Colorada

Heiße Geysire

 

Eine der unbeschreiblichsten, beeindruckensden Landschaften, die ich je gesehen habe.

Der Salar ist übrigens auch die Salzquelle von Bolivien. Der gesamte Salzbedarf wird so abgedeckt, aber es wird kein Salz exportiert.

So, ein eher wortloser Eintrag, ich hoffe ihr habt trotzdem einen Eindruck über meine 1.Mai Feiertagsreise mit vielen anderen Freiwilligen bekommen.

Eine Dicke Umarmung und liebste Grüße,

eure Anna-Lena <3

 

 

Semana Santa

11April2015

Mein Ostern hier, war für mich etwas anders als gewohnt, spannend und ein bisschen abenteuerlich.

 

Am Palmsonntag hat es begonnen. Es gab eine große Prozession von der kleinen Kapelle in einem Stadtteil zur großen Hauptkirche in einem anderen. Alle Menschen hatten Palmenwedel und haben gesungen, während wir zur Kirche gelaufen sind. Die Kirche war mit riesigen Palmwedeln geschmückt und es war eine chaotische, lebendige und schöne Messe. Alle Palmwedel wurden gesegnet und werden jetzt zuhause aufbewahrt. Ich habe auch einen in meinem Zimmer stehen.

Am Dienstag vor Ostern konnten alle Menschen die wollten beichten gehen um sich von allem zu befreien, und an Ostern frei und leichtherzig zu sein. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben beichten. Das war aufregend, aber irgendwie komisch.

Am Gründonnerstag haben wir die Kirche wunderschön geschmückt. Überall hingen Tüchen, es gab tausende von Blumen und bunte Kerzenhalter. Erst wurde die Messe gehalten. In der Messe waren wir eingeladen anderen Gemeindemitgliedern die Füße zu waschen, so wie Jesus es getan hat. Das war eine tolle und ungewohnte Erfahrung. Ein Ausdruck von Respekt, Zuneigung und besorgnis, aber auf eine ganz andere Weise, als sonst im Leben.                                             Nach der Messe stand die Kirche für Besucher offen. Jeder der wollte konnte die kunstvolle Schmückung bewundern und sich segnen lassen. Alle Kirchen in der ganzen Stadt waren geschmückt und offen für Besucher. Ich habe Cochabambas Innenstadt noch nie so voller spazierender, fröhlicher Menschen gesehen. In kleinen oder größeren Gruppen, von jung bis alt, einige mit Heiligenabbildern um sie segnen zu lassen. An jeder Ecke wurde etwas verkauft, essen, trinken, Schmuck, Blumen...einfach alles. Ein bunter fröhlicher und irgendwie heiliger Trubel im nächtlichen Cochabamba.

Karfreitag. Von unserer kleinen Kapelle aus sind wir, wieder in einer Prozession bis kurz vor die Hauptkirche gelaufen. Dort sind wir auf die anderen Prozessionen gestoßen. Jede hatte etwas dabei. Abbilder von Maria und Johannes dem Täufer und eine das Kreuz, mit Jesus daran. Es wurde dunkel und alle haben Fackeln angezündet. In Stille sind wir in die mit Fackeln beleuchtete Kirche eingezogen und haben uns hingekniet um Jesus zu verehren. Die drei Priester haben sich hingelegt und eine Minute lang war es ganz still in der Kirche, trotz der vielen Menschen. Das hat mich sehr bewegt.
Im Laufe der Messe haben wir alle das Kreuz geküsst und dann wurde es an seinem Platz am Altar befestigt.
 Eine sehr bewegende, Gänsehautmesse. Mir fehlen immer noch ein bisschen die Worte.

Neben der kirchlichen Feier durfte ich auch traditionelle Bräuche kennenlernen. Von morgens bis um 12 Uhr mittags haben wir gefastet. Nichts essen und nichts außer Wasser trinken. In dieser Zeit sollen normalerweise 12 Gerichte ohne fleisch, die nur in diesen Tagen gegessen werden zubereitet werden. Wir haben fünf davon gekocht. Es war gar nicht so einfach nichts zu essen, aber gleichzeitig zu schälen, schnippeln, waschen, kochen und vorbereiten. Aber ich hab es durchgehalten.
 Und dann ging das große Essen los. Jeder musste ja alles probieren und ganz viel Obst und Gebäck gab es auch noch. Ich dachte, ich muss platzen.

Samstag abend haben wir schon die Ostermesse gefeiert. Hinter der Kirche waren Fackeln und ein Feuer aufgebaut. Die Messe hat also draußen, mit der Segnung des Feuers begonnen. Dann sind wir alle gemeinsam in die wunderschön, mit weiß, rot und gelb geschmückte Kirche eingezogen. Über dem Kreuz, an dem am Abend zuvor noch Jesus hing, hing jetzt ein weißes Tuch. Während der Messe wurde das Wasser gesegnet und jeder durfte sich ein bisschen davon mit nach Hause nehmen.  Und endlich, endlich haben wir beim singen wieder fröhlich geklatscht, uns beim Segensgruß vor dem Abendmahl wieder umarmt und sind durch die Kirche gewuselt um auch wirklich alle zu umarmen, die uns wichtig sind.
 Aus dieser Messe bin ich mit einer beglückten Fröhlichkeit gegangen, der Padre hat es wunderbar hinbekommen dieses Gefühl von Ostern zu vermitteln.

Am Ostersonntag sind wir morgens in die gewöhnliche Messe gegangen. Naja nicht ganz gewöhnlich, viel fröhlicher und irgendwie bunter.

 

Das war meine Osterzeit. Etwas anders als sonst, manchmal verwirrend, manchmal traurig und am Ende sehr fröhlich. Irgendwie viel emotionaler als sonst. Eine tolle Erfahrung ohne Schokohasen und Ostereier. Das heißt aber nicht, dass ich das nicht vermisst hätte, hihi.

 

Eine dicke Umarmung,

eure Anna-Lena <3

Reiseeindrücke

09April2015

Hallo ihr Lieben :-)

Jetzt gibt es mal ein paar Reiseeindrücke. Einige von meinen Reisen sind zwar schon etwas her, aber das macht ja nix.

 

Flotafahrt nach Sucre


Auf dem Weg zum Terminal. Zusammen mit einer Mitfreiwilligen, mit der ich reisen werde und Freunden aus Bolivien. Aufgeregt, gespannt und ein bisschen nervös. Seit ich hier in Cochabamba angekommen bin ist das meine erste Reise in Bolivien. Die anderen haben mir schon in den schillernsten Farben von ihren Reisen erzählt. Ich bin gespannt, abenteuerhungrig.

Angekommen am Terminal. Alles ist voller Menschen, die Ticketverkäufer schreien laut die Ziele der Busse aus um letzte Plätze zu verkaufen. Drängeln, schubsen, den Bussteig suchen und neben bei gut auf meine Sachen aufpassen. Versuchen mit meinem riesigen Wanderrucksack niemanden zu erschlagen.

Wir haben den Bussteig gefunden. Jetzt heißt es, sich für eine Weile von liebgewonnen Menschen hier verabschieden. Ein kurzer trauriger Moment aber dann siegt wieder Vorfreude und Aufregung. Wir sitzen in der Flota, unser Gepäck ist gut verstaut und wir Teilen uns ein Brot und etwas Wasser, irgendwie kam plötzlich doch der Hunger. Die Flota setzt sich in Bewegung, die Menschen klappen ihre Sitze zurück und schließen die Augen. Los gehts!

Aaaber halt, nach ca. einer halben Stunde halten wir. Es ist Abendbrotzeit in Bolivien und die darf natürlich nicht verpasst werden. Fast der ganze Bus steigt aus um etwas zu essen und zu trinken. Wir bleiben sitzen und wundern uns wieder einmal über die Wichtigkeit des Essens in Bolivien, und essen noch ein bisschen Brot. Dann geht es endlich weiter und jetzt wirklich, es geht los!

Ich bin eingeschlafen, wache mitten in der nacht wieder aus. Der Bus steht. Mitten im Nichts. Pipipause verkündet der Busfahrer. Hmm doof, wo soll ich hier als Mädchen mal eben schnell gehen. Alles flach, keine Büsche oder Bäume. Kann ich wohl erstmal vergessen. Wir sehen uns an und beschließen, dass wir jetzt stark sein müssen und aufhalten bis wir da sind.

Irgendwann schlafe ich, mehr oder weniger sanft, durch die Kurven in den Bergen gewiegt wieder ein.

Und wache wieder auf als wir in Sucre sind. Schnell packen wir unsere Sachen zusammen und steigen aus. Suchen nach unserem Gepäck und machen uns im morgendlichen Sucre auf die Suche nach einem Hostel um uns erstmal von der Fahrt zu erholen.

 

Die Silberminen von Potosi

Ich hatte wirklich Angst in die Minen zu gehen. Alles dunkel, nur mit Stirnlampe und manchmal muss man sogar kriechen. Aber ich hab es getan und bin wirklich froh darüber. Die Minen sind noch in Betrieb, deswegen gehen wir vorher mit unserem Guide kleine Geschenke für die Mineros kaufen. Getränke, Dynamitstangen und Cocablätter.

Dann stehen wir oben auf dem Berg vor dem Mineneingang. Riesige Pfützen, es ist kalt und schneit sogar ein bisschen. Von hier aus hat meinen einen tollen Blick über Potosi, wahrscheinlich die beste Aussicht überhaupt.

Und es geht rein in die Mine. Unser Guide lotst uns durch die Dunkelheit, nur von den Stirnlampen durchbrochen. Wir laufen eine Weile, manchmal kommen und Minenarbeiter entgegen, dreckverschmiert, schwitzig und mit zerkauten Cocablättern im Mund. Wir geben ihnen etwas von unseren Geschenken, es sind Gastgeschenke erklärt uns unser Guide. Wir biegen ab, manchmal müssen wir uns ducken, es wird etwas wärmer und irgendwie feuchter. Manchmal stoße ich mir den Kopf und stelle wieder einmal fest, dass ich irgendwie ziemlich groß bin hier in Bolivien, autsch. Nach einigen Biegungen treffen wir auf Mineros, die gerade eine Pause machen. Einer von ihnen hat einen vielversprechenden Stein gefunden und das feiern sie. Mit Zigarette, Coca und Alkohol vermischt mit Wasser. All das brauchen sie um durchzuhalten, erklärt uns der Guide und um nicht zu viel Hunger zu bekommen.

Wir setzen uns zu ihnen und beginnen uns zu unterhalten. Die Mineros gehören alle zu einer Familie, Vater, Sohn, Schwager, Onkel, Neffe usw. Der Vater nimmt den Sohn mit in die Mine, sobald er alt genug ist, erzählen sie uns. Die Familie muss von etwas leben, es muss immer weiter gehen. Viel hängt vom Glück und vom Tio ab. Der Tio ist sozusagen der Teufel. Die Mineros glauben, dass Gott über der Erde und der Tio unter der Erde herrscht. Wenn man dem Tio seine Ehrfurcht erweist und ihm etwas opfert bevor man anfängt zu arbeiten, beschützt er dich und hilft dir gute Steine zu finden, erzählen sie uns.

Dann verabschieden wir uns und gehen weiter. Einen Tio besuchen. Die Mineros errichten Abbilder des Tios in den Minen um ihn so zu Ehren. Wir sind beim Tio. Unser Guide zündet eine Zigarette an und steckt sie dem Tio in den Mund. Dann opfert er ihm Cocablätter. Er streut sie dem Tio auf den Kopf auf die Arme und auf die Geschlechtsteile. Für Konzentration, Stärke und naja ihr wisst schon, erklärt er uns. Das ganze ist spannend, gruselig und irgendwie, weil die Mineros so ernsthaft an den Tio glauben, nehme ich alles sehr ernst, kann es in dem Moment nur so begreifen. Auch wenn mir irgendwie widerstrebt an den Tio zu glauben.

Jetzt klettern wir ein wenig hinauf und landen bei ein paar Mineros die mit einem Seilkorb Geröll von weiter unten nach hier oben transportieren. Es ist ziemlich laut und staubig. Als sie einen Moment inne halten kommen wir dazu ein paar Worte mit ihnen zu Wechseln und ihnen unsere letzten Geschenke zu geben.

Dann geht es zurück, durch die Dunkelheit und irgendwie Ungewissheit der Mine, langsam kommt uns das Tageslicht entgegen.

Wir sind wieder draußen und irgendwie lasse ich die Undurchdringlichkeit der Mine und den unbegreiflichen Glauben an den Tio hinter mir in der Mine. Aber irgendwas in mir hat sich verändert, als ob mein Sichtfeld weiter geworden ist. Und ich bin glücklich und erleichtert, dass ich meine anfängliche Angst überwunden haben und in die Minen gegangen bin.

Eine einmalige, unbegreifliche Erfahrung.

 

Der Titicacasee

Eine andere Freiwillige hat vorher zu mir gesagt, der Titicacasee ist eigentlich ein Meer. Als ich dort bin, weiß ich was sie meint. Er ist riesig und man kann einfach kein Ende sehen. Aber man kann nicht darin baden, wie im Meer, denn er ist gefühlt eiskalt.

Wir sitzen im Boot auf dem Weg zur Isla del Sol. Und glauben wir müssen erfrieren. Wer hätte gedacht, dass man auf der Südhalbkugel mal das Gefühl hat zu erfrieren? irgendwie lustig. Es ist eben die Höhe, der Titicacasee liegt ca. auf 4000 Metern über dem Meeresspiegel.

Nach der sehr langen und ruhigen Bootsfahrt kommen wir auf der Isla del Sol an und werden von Eseln und Lamas begrüßt. bald wird uns klar warum. Die dienen als Packtiere, weil es zu den Übernachtungsmöglichkeiten und Häusern ziemlich steil hoch geht. Aber wir entscheiden selbst unsere Rucksäcke zu tragen und machen uns auf den steilen, holprigen Weg. Das ein oder andere Mal müssen wir uns an den Wegrand drücken um herabkommenden Eseln und lamas Platz zu machen. Schließlich sind wir oben und völlig außer Atem. Wir sind uns alle einig, dass das nichts mit unserer (mangelnden) Fitness, sondern mit der Höhe zu tun hat.

Wir finden ein wunderschönes Hostel, mit Blick auf den See. Nachdem wir uns eingerichtet haben genießen wir die Ruhe und Schönheit der Insel.

Überall ist es grün und es gibt viele Blumen. Der See strahlt eine unglaubliche Ruhe aus und lädt dazu ein sich einfach hinzusetzen und einen Moment lang an nichts zu denken.

Aber es wird immer kälter und wir beschließen uns in unsere Decken und Schlafsäcke zu kuscheln und den Anblick aus unserem Fenster zu genießen.

Am nächsten Morgen fahren wir weiter, zum Nordteil der Insel. Nachdem wir ein Hostel gesucht und etwas gefrühstückt haben erkunden wir die Insel. Und stoßen auf einen wunderschönen Wanderweg. Er geht sanft in die Höhe, über Sandsteinfelsen und durch grüne Ebenen hindurch. Immerwieder sieht man den See und jedes Mal ist der Ausblick atmenberaubender, der See wirkt jedes Mal blauer und die Wolken am blauen Himmel wirken jedes Mal weißer.

Wunderschön, ruhig, erleichternd.

 

Flug nach Trinidad

Nach Trinidad bin ich geflogen, weil es mit der Flota eine ziemlich ermüdende 18 Stund Fahrt wäre und ich nicht so viel Zeit verlieren wollte.

Ich sitze am Flughafen, allein auf dem Weg zu einer Freundin. Es ist ein komischen Gefühl hier zu sitzen. Alles erinnert mich sehr an zuhause, an den Hinflug nach Bolivien. Kurz kommt etwas Heimweh auf, wird aber schnell von meiner Aufregung und Reiselust beiseite geschoben. Ich checke ein und warte auf das boarding. Tausend Gedanken flirren durch meinen Kopf. Ich will einfach mal raus und weg aus dem Alltag, halte ich die tropische Hitze in Trinidad aus, was kommt auf mich zu? Und vieles mehr.

Dann ist boarding. Ich sitze im Flugzeug, schaue aus dem Fenster auf das glitzernde Cochabamba, das langsam kleiner unter mir wird. Einem Moment lang denke ich daran, das sich so nur viel stärker der Abschied nach meinem Jahr hier anfühlen muss. Lieber nicht drüber nachdenken. Die Stewardessen servieren getränke und einen Snack. Ich komme kaum dazu auszutrinken, das verkündet der Pilot schon die Landung.

Jetzt bin ich da, das ging alles so schnell und ist so viel weniger ermüdend als Flota fahren. Ich bin begeistert. Und werde quasi von der tropischen Wärme erschlagen.

Aber das macht nichts, jetzt genieße ich ertsmal ein paar Tage in einem so ganz anderen Teil Boliviens und lasse mich ein bisschen vonder feuchten Hitze kochen.

 

Das waren ein paar Eindrücke von meinen Reisen. Ich hoffe es wird ein bisschen deutlich, wie sich das anfühlt in einem ganz anderen, fremden Land zu reisen und was für tolle, spannende Erfahrungen ich machen durfte.

 

Liebste Grüße und Küssis,

eue Anna-Lena <3

 

 

Verrückte Glücksabenteuer

20März2015

Jetzt hab ich schon wieder so lange nix geschrieben. Mit der gleichen Entschuldigung wie immer, mit dem Internet ist das hier nicht immer ganz so einfach. ;-)

Ich hab viel zu erzählen.

Aus finanziellen Gründen hat mein Projekt 'Warmi' geschlossen und ich musste mir ein neues Projekt suchen. Das war sehr traurig.

Tausend Fragen, Zweifel und Enttäuschung. Was pssiert mit den Kindern? Wie soll es in ihren Fmilien weitergehen? Wie konnte das passieren? Wer lässt das zu? Und immer wieder, was passiert jetzt mit den Kindern? Ich habe keine Antworten auf die Fragen. Das macht mich traurig. Besonders, dass ich nicht weiß, wer den Kindern und ihren Familien jetzt hilft.

Voller Fragen und Zweifel musste ich mich darum kümmern ein neues Projekt zu bekommen. Zum Glück war das einfacher als gedacht. Meine Gastfamilie vom ersten Monat hat mir angeboten, dass ich bei ihnen wohnen kann und der Padre aus der Kirchengemeinde dort hat mir Arbeit in der Hausaufgabenhilfe der Kirche angeboten.

Ein Lichtblick.

Ich habe eine neue, schöne Arbeit mit lieben Menschen und sprudeligen Kindern und lebe nicht mehr alleine, sondern bei meiner liebevollen Gastfamilie. Trotzdem bin ich immernoch betroffen und traurig über die Schließung von Warmi. Und alles hat sich verändert. Auf einmal frühstücke ich nicht mehr alleine, das ist gut. Aber ich muss jetzt wegen allem, immer Bescheid sagen, dass ist komisch, wenn man vorher ein halbes Jahr alleine gewohnt hat.

Jetzt bleiben mir noch gute vier Monate hier. Ich bin gespannt welche Überraschungen diese Zeit noch mit sich bringt. Was ich in meinem neuen Projekt noch alles erlebe, wie weit ich in meiner Gastfamilie noch in die Kultur eintauchen werde.

Ich bin hin und her gerissen, sehr sentimental und ich weiß selbst nicht warum. Weil das Jahr langsam aber sicher zu Ende geht? Aber es sind doch noch vier Monate. Weil sich alles auf einmal so schnell und stark verändert hat? Weil Dinge geschehen sind, die ich nicht erwartet habe?

Genug sentimentalität, ich werde die restliche Zeit hier in Bolivien genießen, Projekte mit den Kindern machen, in meiner Gastfamilie die Kultur leben und mit meinen Freunden das Leben genießen.

 

 

Karneval, der Corso in Cochabamba und ich mittendrin

Jetzt ein bisschen mehr von der fröhlichen, lebensdurstigen und verrücken Anna-Lena, die ihr kennt :-)

Der Karneval hier in Bolivien hat eine viel größere Bedeutung und wird viel traditioneller und größer gefeiert als bei uns. Viel hängt mit altem indigenen Glauben zusammen. Fast in jedem Dorf und in jeder Stadt gibt es einen Karnevalsumzug. Tanzgruppen tanzen eine bestimmte Strecke, die Menschen spielen mit Wasser und Schaum, das bedeutet, jeder und alles wird nassgespritzt und mit Schaum besprüht.Im Prinzip kann man sich in der Karnevalszeit das Duschen sparen, man ist sowieso die ganze Zeit nass. :-D

In manchen Häusern gibt es Karnevalsfeste. Die Familien bereiten Essen und Trinken vor und schmücken das ganze Haus. Dann wird die Muttererde geehrt. Wenn die Gäste kommen, werden sie nass gespritzt und mit Luftschlangen behängt. Jeder isst und trinkt nach belieben. Wenn alle versammelt sind, fangen die, die Instrumente spielen können zu spielen und alle, von Oma bis Baby tanzen und singen zur Musik durch das Haus und später durch die Straßen. Die Kinder spielen draußen mit den anderen Kindern mit Wasser und bespritzen alles was vorbeikommt. So habe ich Karneval traditionell in meiner Gastfamilie erlebt.

Jetzt kommt mein kleines Abenteuer. :-)

Ich hab ja schon geschrieben, das es in jeder Stadt eine Tanzparade gibt. Die bekanntesten und größten sind in Oruro, Cochabamba und Santa Cruz. Und ich hatte das verrückte Glück in Cochabamba mittanzen zu können.

Drei Tage vor dem Corso hat eine Freundin mich mit zu ihrer Tanzgruppe genommen. Eine traditionelle Tanzgruppe, der Tanz heißt Carporales (schaut mal bei Youtube 'Carporales Bolivia'; dann könnt ihr euch mehr darunter vorstellen ;-)). Dort haben mir die Mädels angeboten, dass wenn ich die nächsten Tage gaaanz viel übe, ich beim riesigen Corso mittanzen kann. Wow, das war eine Überraschung, ich war elektrisiert. Und habe alles gegeben, jeden Tag bis elf Uhr abends geübt und tatsächlich mitgetanzt.

Bevor es los ging, haben wir erstmal vier Stunden stehend in der Sonne gewartet, damit wir endlich lostanzen konnten. Naja das ist halt auch Bolivien, da bleibt nix anderes übrig als in Ruhe die Verspätung abezuwarten.

Dann ging es los. Unglaublich. Unbeschreiblich.

Alles verschwimmt, glitzernde Röcke, fröhliche Menschen, ganz viele Fotos und immer weiter tanzen, einfach das Gefühl genießen. Bis kurz vor Ende. Die Strecke ist ca. 7 km lang und das alles auf Absatzschuhen. Kurz vor dem Ende konnte ich nicht mehr, mir tat alles weh, vor allem meine Füße, aber irgendwie ging es weiter. Ich hab es bis zum Ende geschafft und ich bin so stolz auf mich. Das ich mittanzen konnte und das ich durchgehalten habe. Es war unglaublich und eine wahnsinnig wertvolle Erfahrung. Wenn ich dran denke bin ich immer noch elektrisiert.

Es gibt lauter so kleine verrückte Glücksabenteuer in meinem großen Abenteuer Bolivien.

Jetzt hab ich keine Worte mehr. Ich hoffe ich schaffe es bald wieder zu schreiben.

Ich hab euch alle sehr lieb, Küsse und Grüße aus Bolivien,

eure Anna-Lena <3

Die Cancha - Wochenmarkt in Cochabamba

16Dez2014

Ich schiebe mich durch ein Gedränge von Müttern mit Kindern, Männern mit Schubkarren und geschulterten Reis- und Zuckersäcken, habe Mühe die anderen nicht zu verlieren.

Wir gehen an Bergen von Obst und Gemüse vorbei. Ich sehe alles was man sich vorstellen kann. Gestapelte Wassermelonen, Ananas, Äpfel, Bananen, Mangos, Papayas, Orangen, Weintrauben und viele esotische Früchte, deren Namen ich nicht kenne. Sie schmecken süß-sauer und haben lustige Formen, einige klein und stachelig, andere groß und sehr weich.

Ich sehe Tomaten, Kartoffeln, Möhren, Suppengrün, Zuccini, riesige Kürbisse und Säcke voll mit Bohnen.

Wir biegen um einige Ecken und alles verändert sich, jetzt sieht mal viele verschiedene Brotsorten, tausend verschiedene Gebäckstücke umschwirrt von Bienen, angelockt von dem süßen Duft. Drei Ecken weiter stapeln sich Eier, Käse, Milch.

Wir gehen in die überdachten Hallen, Gänge werden gebildet durch dicht an dicht stehende Lädchen. Zu beiden Seiten ist alles voll mit Süßigkeiten, einzeln und in riesigen Packungen. Wir biegen ein paar mal ab, schieben uns durch die Leute und auf einmal ist alles voller Kleidung, Hosen, T-shirts , Jacken, Schuhe in allen Farben und Formen, dazwichen einige Lädchen mit Wolle und Strickzeug.

Fünf Minuten und ein paar Ecken später bin ich umgeben von Spielzeug in allen Grüßen und Formen. Ein Paradies für jedes Kind Hier halten wir uns nicht so lange auf. Vom Spielzeug geht es vorbei an Uhren und Weckern, an Schuhmachern, Ständen, die alles mögliche an Essen und Trinken anbieten, vorbei an Lädchen mit Schreib- und Bastelwaren. Ein paar Schritte weiter sehe ich Haushaltswaren: Besen, Schrubberbürsten, Lappen, Geschirrtücher...

Und jetzt wind wir da, eine Reihe aus Lädchen mit Shampoo, Seife, Schuhcreme, Kaffee, Tee, Waschmittel, Zahnbürsten und lauter Kleinkram.

Während des ganzen Weges rufen von allen Seiten Verkäfer ihre Ware aus, erfahrene Hausfrauen diskutieren laut und sicher der Preis und Qualität der Waren, Menschen rempeln sich gegenseitig an, Kartoffeln kullern über die Straße. Taxis und andere öffentliche Verkehrsmittel schieben sich durch das Gedränge.

Es riecht an jeder Ecke anders, mal nach Gewürzen, mal nach zubereitetem Essen, mal nach Kleidung, mal nach Seife. Mit jedem Schritt entdecke ich etwas anderes, nehme ich einen anderen Geruch war. Mit jedem Schritt tauche ich mehr und mehr in die chaotische, bunte Welt der Cancha ein.

Alleine würde ich mich hier auf dem Markt verlaufen und niemals oder nur durch zufall finden, was ich suche. Zum Glück bin ich nicht allein, ich muss nur aufpassen, dass ich vor lauter gucken und staunen die anderen nicht verliere...

 

Die Cancha ist der riesige Wochenmarkt von Cochabamba, teilweise überdacht und teilweise im Freien auf der Straße. Er nimmt ein ganzes Viertel ein. Man kann dort alles kaufen was man braucht. Bis jetzt bin ich jedesmal glücklich mit meinen Einkäufen nach Hause gewandert. Aber die Cancha ist auch gefährlich, denn sie ist das perfekte Gebiet für Taschendiebe und sie ist so groß, dass ich mich alleine verlaufen würde und vermutlich durch die Gassen und Gänge irren würde, bis mich zufällig jemand trifft, der mich kennt. Das ist aber ziemlich unwahrscheinlich, deswegen gehe ich immer in Begleitung auf die Cancha. Ich habe versucht ein bisschen das Gefühl und meine Eindrücke zu beschreiben und ich hoffe, ihr habt jetzt eine Idee davon, wie die Cancha ist. Für mich ist sie mit nichts vergleichbar, was ich bis jetzt kenne.

 

Ganz liebe Grüße und ich denke an euch <3

Weihnachtsstress oder -chaos

16Dez2014

Hallo ihr Lieben :)

Es ist offensichtlich, dass ich es nicht geschafft habe mit dem Blogeintrag über den Wochenmarkt...

Dafür berichte ich euch jetzt über meinen diejährigen Weihnachtsstress.

Oh fast hätte ich es vergessen, ich schreibe das mal hier, in der Hoffnung, dass alle das sehen :) Ich freue mich immer über Nachrichten von euch, ob auf Facebook per e-mail oder auf dem Postweg oder wie auch immer. Bitte seid mir nicht böse und nehmt es auch nicht persönlich, wenn ich nicht sofort antworte oder sehr lange zum antworten brauche. Manchmal passt es einfach nicht so gut, weil es mich jedesmal sehr aus meinem Alltag und Leben hier herausreißt. Aber schreibt mir gerne trotzdem weiter, es macht mich sehr glücklich zu wissen, dass ich nicht vergessen werde hihi :).

 

So jetzt aber zu meinem Weihnachtsstress. Die Kinder aus meinem Projekt haben schon länger Ferien und es sind jeden Tag mehr und mehr Kinder ins Projekt gekommen. Und diese Kinder haben ja dank der Ferien keine Hausaufgaben und müssen auch nicht lernen. Also mussten wir zu dritt ca. 60-80 Kinder beschäftigen. Kinder die ihren eigenen Kopf haben, frech und laut sind und eigentlich sowieso nie machen, was man ihnen sagt. Könnt ihr euch vorstellen wie es uns ging? Es hat trotzdem viel Spaß gemacht. Wir haben einen Tagesausflug in einen riesigen, grünen Park mit Spielplatz gemacht und die Kinder konnten den ganzen Tag rumtoben und spielen. Wir haben einen Tanzwettbewerb veranstaltet. Das hat den Kindern superviel Spaß gemacht. Sie haben sich in Gruppen zusammengetan und geübt. Jede Gruppe hat eine kleine Show vorgeführt und am Ende haben wir alle zusammen getanzt. Dann haben wir noch ein Sandburgen und Sandschneemann-bauen Wettbewerb gemacht und es ist wirklich toll zu sehen, wie kreativ und einfallsreich die Kinder sind.

Das war aber noch nicht mein ganzer Weihnachtsstress. Wir haben das Projekt für einen Tag für alle Kinder geschlossen und über 300 (!!!) Weihnachtskuchen gebacken, die ähnlichkeiten mit Weihnachtsstollen haben. Dazu mussten wir Nüsse und Früchte kleinschnippeln und unmengen an Teig in riesigen Waschwannen kneten. Wenn man das jeden Tag macht bekommt man Oberarme wie ein Bodybilder :D. Die Kuchen sind ein Teil der Weihnachtsgeschenke für sämtliche Kinder in meinem Projekt. Es sind so viele, weil mein Projekt noch eine Außenstelle in Tiquipaya, einem Vorort von Cochabamba hat und weil einige Kinder andgemeldet sind, aber nicht jeden Tag kommen. Dementsprechend viele Geschenke mussten wir einpacken und sortieren...

Dann kam der Tag mit der Weihnachtsfeier und dem Geschenkeverteilen. Ich hab jetzt eine ungefähre Vorstellung davon, wie der Weihnachtsmann sich fühlen muss :D.

Es gab ein besonderes Mittagessen und natürlich hat sich alles verzögert, denn wenn über hundert Kinder essen sollen, gibt es immer jemanden der sagt 'aber ich mag das nicht', der ziemlich lange zum essen braucht, der sagt 'aber ich will spielen' oder der beschließt, dass sich das Essen viel besser zum rumschmeißen eignet. Nach dem Mittagessen war die erste Hürde überwunden. Jetzt hat ein Zauberer seine Tricks gezeigt un die Kinder haben ein Theaterstück präsentiert. Ein kleiner Chor aus einigen Kindern hat charaokemäßig Weihnachtslieder gesungen. Nächste Hürde geschafft, alle Kinder noch da. Aber jetzt wurde es kompliziert. Das Geschenkeverteilen. Aus lieben Kindern wurden wilde, schubsende, schreiende Geschenkemonster :D.

Wir haben uns in mehrere Räume aufgeteilt und die Kinder beim Namen gerufen. Es hat ewig gedauert bis alle ihr Geschenk hatten, weil es so ein Gedrängle und Geschubse war und manche Kinder ihren Namen nicht gehört hatten und dann am Ende nochmal kamen und wir ihr Geschenk zwischen allen übriggebliebenen Geschenken suchen mussten. Aber am Ende des Tages sind alle glücklich nach Hause gegangen.

Es war wunderschön lauter glückliche, lächelnde Gesichter und mit neuen Geschenken spielende Kinder zu sehen. Das Lächeln und Lachen eines Kindes ist so unglaublich wertvoll.

Trotzdem will ich keine Geschenke mehr sehen :D

Jetzt ist das Projekt für die Kinder geschlossen und wir räumen auf und planen das neue Jahr. Es ist komisch hier her zu kommen und keine spielenden Kinder zu sehen und zu hören. Alles wirkt so leer und ausgestorben. So oft mich die Kinder an meine Grenzen Treiben, ich vermisse sie jetzt trotzdem sehr.

Ganz liebe Grüße <3

eure Anna-Lena

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